welche Stellschrauben sind besonders effizient, um Mobilität erheblich nachhaltiger zu gestalten?

Die erste und letzte Meile ist der Schlüssel. Kurze Wege und Zeitersparnis tragen den Studienmachern zufolge dazu bei, nachhaltige Verkehrsmittel attraktiver zu machen. Traditionell sind mit der ersten/ letzten Meile Wege gemeint, die zu Fuß, mit dem Rad oder dem Nahverkehr zurückgelegt werden. In jüngerer Zeit kommen Technologien wie Car-Sharing oder Elektro-Roller hinzu.

Effizient sind erste/ letzte Meile-Optionen dann, wenn sie Transportwege so nahtlos, schnell und komfortabel wie möglich gestalten. Deshalb sei es wichtig, Verspätungen, Wartezeiten und das Umsteigen auf ein Minimum zu reduzieren oder zu vermeiden, erläutern die Experten.

Die Experten betonen, dass es schwierig ist, pauschale Urteile über Mobilitäts-Möglichkeiten zu fällen. Es sei nicht möglich, die Auswirkungen immer und überall vollständig vorherzusagen. „Deshalb sollten die Behörden einen gewissen Spielraum für Experimente lassen und sich auf den Aufbau einer zuverlässigen Beweisgrundlage konzentrieren, bevor sie eine Regulierung einführen“, empfehlen die Studienmacher.

Zur Orientierung geben sie einen Überblick über ihre wichtigsten Erkenntnisse zum Personen- und Güterverkehr.

1. Öffentlicher Nahverkehr bleibt das Rückgrat

Nahverkehr bleibe die erste und beste Option, um die negativen Auswirkungen von Verkehr auf die Umwelt und Gesundheit der Menschen zu reduzieren, so die Experten. Denn der Autoverkehr benötige beispielsweise mehr Platz und Ressourcen pro Personenkilometer als alle öffentlichen Nahverkehrsmittel.

Deshalb, betonen die Studienmacher, sei die Vorstellung, „dass Flotten autonomer Autos irgendwann den Bedarf an öffentlichen Verkehrsmitteln, wie wir sie kennen, beseitigen werden, völlig fehl am Platz.“ Nahverkehr ist ein wesentlicher Bestandteil für nachhaltigen Verkehr in Städten – gute letzte/erste Meile-Optionen können ihn attraktiver machen.

2. Menschen ändern ihr Mobilitätsverhalten, wenn sie nachhaltigen Verkehrs als schnell und bequem empfinden

Für die meisten Menschen sei nicht Nachhaltigkeit der Anreiz, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern. Stattdessen steigen sie vor allem auf andere Optionen um, wenn es schneller und bequemer ist. Folglich muss der öffentliche Nahverkehr – inklusive der ersten/letzten Meile – so gestaltet sein, dass er attraktiver, bequemer, schneller und günstiger ist als das Fahren mit dem Pkw.

"Untersuchungen zeigen, dass die Menschen einem schnellen, bequemen und zuverlässigen Verkehrserlebnis einen erheblichen Wert beimessen. Auch unangenehme Teile der Reise werden mit erheblichen Strafen belegt. Eine einminütige Verspätung wird zum Beispiel als drei- bis fünfmal länger als eine Minute Fahrzeit des Fahrzeugs empfunden."

Dasselbe gelte für das Gehen in Eile oder das Warten unter beengten Verhältnissen im Vergleich zur Fahrzeit des Fahrzeugs. "Die Unterschiede in der subjektiven Erfahrung in den verschiedenen Teilen der Reisezeit illustrieren gut, wie wichtig es ist, einen nahtlosen öffentlichen Verkehr bereitzustellen und gleichzeitig (belastende) Umsteigemöglichkeiten zu vermeiden", betonen die Studienmacher.

3. Das Gehen oder Radfahrer auf der ersten, letzten oder einzigen Meile bietet den größten gesellschaftlichen Nutzen

Gehen und Radfahrern sind nicht nur am nachhaltigsten, sondern auch am gesündesten. „Forschungsergebnisse zeigen, dass die Reichweite des bestehenden öffentlichen Verkehrssystems erheblich erweitert werden kann, indem der Fußweg zu Knotenpunkten und Haltestellen einfacher, weniger hindernisanfällig und angenehmer gestaltet wird, indem attraktive städtische Räume geschaffen werden, die gut an die Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs angebunden sind“, heißt es in der Studie.

Viele europäische Städte wie Kopenhagen oder Amsterdam haben es mit gut ausgebauten Radwegen bereits geschafft, das Pendeln mit dem Fahrrad zum dominierenden Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit zu etablieren. Dazu zählen die Studienmacher auch E-Bikes, denn die öffnen diese Form der „aktiven Mobilität“ für eine größere Gruppe von Menschen, die sonst nicht Fahrrad fahren würden.

Diese Leitsätze führen den Studienmachern zufolge dazu, dass Städte Wege finden können, um Mobilität in Zukunft n achhaltig, gesund und attraktiv gestalten zu können.

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