Schilda im Berchtesgadener Land? - Aufgabe des Berchtesgadener „Ladegleis“

Während die große Politik von der klima- und umweltgerechten Zurückverlagerung von Güterverkehren von der Straße auf die Bahn schwadroniert, werden in Berchtesgaden Nägel mit Köpfen gemacht. Das Ladegleis („Ausziehgleis“) im Bahnhof Berchtesgaden wird abgebaut.


Über viele Jahre und Jahrzehnte wurde das Ladegleis mit Laderampe am Berchtesgadener Hauptbahnhof zur Bahnverladung von Militärfahrzeugen des Bundeswehrstandortes Strub (Gemeinde Bischofswiesen) genutzt. Aktuell ist mit dem Abbau dieses Gleises in wenigen Wochen zu rechnen. Gemäß Verfügung des Eisenbahnbundesamtes vom 14.9.2019 gilt das Gleis als stillgelegt, da es bereits ein Jahr unbenutzt war und kein weiterer Bedarf angemeldet wurde.

Tatsächlich wurde dieser Umstand offenbar bewusst herbeigeführt. Beispielsweise wurden beim großen NATO-Manöver im Frühjahr 2019 in Norwegen sämtliche Militärfahrzeuge (Straßenfahrzeuge und Gelände-Kettenfahrzeuge) nicht direkt in Berchtesgaden verladen und fuhren auf der B20 etwa 25 Kilometer zur Verladestation „Bad Reichenhall Bahnhof“. Tangiert wurden dabei die Ortsteile Strub, Böcklweiher, Bischofswiesen, die Siedlung Winkl (allesamt mit dem Prädikat „Heilklimatisches Kurgebiet“ Kurzone 1), dann durchquerten die Schwertransporter das Staatsbad Bayerisch Gmain, Bad Reichenhall-Kirchberg und Bad Reichenhall-Stadt bis zur endlichen Verladung mitten in der Stadt Bad Reichenhall am dortigen Bahnhof. 

Dabei wurde ein erhöhter betrieblicher und logistischer Aufwand, eine massive Verkehrsbehinderung und Gefahrenzunahme auf der ganzen Strecke, sowie eine vielfach erhöhte Beeinträchtigungen des Umfeldes durch Lärm und Luftschadstoffe in Kauf genommen.

Dieser Gleisrückbau in Berchtesgaden steht im Gegensatz zu der von Ministerpräsident Dr. Markus Söder verkündeten Strategie "eines massiven Ausbau des Konzeptes der Rollenden Landstraße", also der Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße wieder auf die Schiene. Deshalb hat sich Fritz Sparrer bereits im August 2019 an ihn gewandt. Das bayerische Verkehrsministerium hat Sparrer in seinem Antwortschreiben aufgefordert, sich insbesondere an die in unserem Bereich zuständigen Mandatsträger zu wenden. Das wären also die Bürgermeister und Oberbürgermeisters der aufgezählten Orte sowie der Landrat Grabner, die Staatsministerin Frau Kaniber und auch der Stimmkreisabgeordnete im Bundestag und Bundesverkehrsminister a.D., Dr. Ramsauer.

Selbstverständlich sollten auch die Kommandeure der beiden Kasernen und das Wehrbereichskommando in München an der Heimatfront für den Erhalt des Ladegleises kämpfen.

Die Militärtransporte sind nicht regelmäßig und nur anlassbezogen. Allerdings sind

  • stündlich LKW-Transporte zwischen Berchtesgaden und Bad Reichenhall mit Salzabwässern unterwegs
  • täglich mehrfach schwere Mülltransporte bis nach Freilassing unterwegs, wo der Müll zur Fahrt bis zur Müllverbrennung per Bahn verladen wird. 
  • es ist wohl nur eine Frage der Zeit oder des Preisdruckes, dass Pakete als Sammeltransporte künftig auf der Schiene bis zur weiteren Feinverteilung über Mikrodepots vor Ort gefahren werden.  

Es erscheint uns ratsam, Klima- und Umweltbewusstsein nicht nur in entfernten Gegenden, sondern auch hier bei uns im Detail zu praktizieren, zu mal das auch wirtschaftlicher Rationalität entspräche. 

Stilllegungsgenehmigung des Eisenbahnbundesamtes:


Schreiben Fritz Sparrer an Ministerpräsident Dr. Markus Söder:


Kommentare

Anmelden oder Registrieren, um zu kommentieren.