Geisterbus – Geisterzug – Geisterlaster - Geisterauto – Geisterrad?

bearbeitet 26. Februar in Verkehrspolitik

von Friedrich List:

In der politischen Diskussion werden die Öffis von Kritikern gerne als subventionierte Geisterzüge oder Geisterbusse bezeichnet. Natürlich sieht es seltsam aus, wenn ein Bus oder ein Zug mit wenigen Fahrgästen vorbeifährt. Die kritischen Beobachter sind dabei oft selber begeisterte Autofahrer. Sie machen ihre Beobachtung meist ausserhalb der Stoßzeit zwischen 6 und 9 Uhr.

Busse und Bahnen werden tatsächlich im Schnitt nur zu 20 Prozent ausgelastet. In der Rush Hour jedoch mehr als 100 Prozent. Wenn man sich danach richtet, dann kommt für ein Dorf ein Busverkehr für Schüler heraus, der das Dorf an fünf Tagen in der Woche dreimal anfährt. Dieser unattraktive Verkehr erzeugt kaum andere Fahrgäste. Dass es anders geht, zeigt z.B der Vorarlberger Verkehrsverbund, wo der Ansturm zur Anschaffung neuer Fahrzeuge zwang.

Das Auto ist in der Gesamtsicht kein besonders effektives Verkehrsmittel. In diesem Fahrzeug sitzen durchschnittlich laut Umweltbundesamt 1,42 Personen, im Berufsverkehr sind es 1,2 Personen. Ein Auto benötigt 12 -14 m² Parkfläche, in einem Parkhaus kommen noch 32 m² Anfahrtzone dazu. Der Parkplatzsuchverkehr macht in Städten ein Drittel des PKW-Verkehrs aus. Kostenlose Parkplätze erhöhen diesen Druck noch. In Deutschland stehen 46 Millionen PKW 23 Stunden am Tag geisterhaft herum. Wenn Autos fahren, dann inzwischen mehr im Freizeitverkehr als im Berufsverkehr.

Ziemlich gut sieht es dagegen im Güterverkehr aus, denn Fahrten ohne Ladung sind nicht profitabel. Trotzdem kann man da noch einiges an Nutzungsgrad rausholen z.B. mit Güterverkehrszentren, in denen die Ware besser auf Regionen verteilt wird. Ein Betrieb wird dadurch nur noch einmal am Tag angefahren und nicht von verschiedenen Transporteuren. Es gibt zwar nur 3 Millionen Laster, aber sie fahren fast dauernd und sind wesentlich lauter. Schienenanschlüsse wurden oft geschlossen. Ein lohnendes Potential. 

Fahrräder sind leise, gesund und brauchen wenig Platz. An Bahnhöfen setzen sich aber wie in Rosenheim doppelstöckige Abstellanlagen durch um Platz zu sparen. Werbefahrradständer auf Gehwegen sind normalerweise nicht genehmigte Fussgänger-Barrieren auf öffentlichem Grund. 

Fussgänger mögen es nicht, wenn Fahrzeuge den Weg versperren. Darum haben attraktive Einkaufstraßen wenig oder gar keine Parkplätze. So mancher PKW-Parkplatz wurde schon in einen Stellplatz für sechs bis zwölf Fahrräder umgewandelt. Eine gut bediente Bushaltestelle wird dagegen in der Einkaufmeile sehr geschätzt. 

Ist ein Taxi, das leer zu einem Fahrgast fährt, ein Geister-Taxi?

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