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Die Neue Königsseebahn

 

Aus der Lokalpresse vom 4.9.21 entnehmen wir aus dem Artikel "Der Touristen-Magnet unter Druck" folgende Aussagen des Regionalforschers Prof. Dr. Hubert Job über den

Nationalpark, Menschenmassen und Einschränkungen:
Touristen-Magnet unter Druck -

(Hervorhebungen von uns)

"Die Virus-Pandemie hat wie ein Brennglas gewirkt und die Entwicklungen beschleunigt. Die internationalen Touristenströme sind zwar ausgeblieben. Gleichzeitig aber haben die Deutschen ihre Heimat als Reiseziel wieder entdeckt und regelrecht überflutet, besonders das Berchtesgadener Land. ... Wenn sich die Situation 2022 aber nach und nach normalisiert, wird in der Hochsaison das Chaos ausbrechen, irgendwann zerstört man die Landschaft im Nationalparkvorfeld und der Alpennationalpark wird zum Rummelplatz. ...

Es braucht dringend die Erarbeitung eines Verkehrskonzepts für den südlichen Teil des Landkreises. Das Ziel muss die kurzfristige Reduktion des PKW-Verkehrs sein. Gleichzeitig muss die langfristige Verlagerung eines Teils der Übernachtungen in die Gemeinden außerhalb des Berchtesgadener Talkessels stattfinden.  Bei der A8-Ausfahrt sollte ein Auffangparkplatz installiert und ein funktionierendes Shuttle-System auf der Bahnstrecke Freilassing-Berchtesgaden eingerichtet werden. Innerhalb des Berchtesgadener Beckens darf dann nur noch Anliegerverkehr gestattet sein. ...

Auch die Tourismus-Verantwortlichen und die Bürgermeister sind gefordert. Durch gezieltes Marketing muss man darauf hinwirken, die nördlich des HallthurmerBerges gelegenen Wanderziele und Ausflugsrouten bekannter zu machen. In der Hochsaison muss es für den Süden im Umkehrschluss ein entsprechendes Demarketing geben. Was auf dem Weg dorthin sehr schnell zu geschehen hat: mindestens eine Verdopplung der Gebühren entlang der Nationalparktor-Parkplätze, mehr Kontrollen und zugleich ein Ausbau des kostenlosen Busangebot-Takts für Inhaber der Gästekarte. ...

Welche Effekte Landschaftszerschneidung auch auf die Erholungseignung von Gebieten hat, sehen wir anhand der Karte, die als Forschungsarbeit an meinem Lehrstuhl die Lärmbelästigung durch Straßenverkehr im Berchtesgadener Land flächendeckend modelliert hat. Dieser motorisierte Individualverkehr wird maßgeblich von Touristen  verursacht und hat seit der Jahrttausendwende zugenommen. Fast 90 Prozent der Nationalparkbesucher reisen derzeit per PKW an. Bei den Tagesbesuchern liegt der Anteil derjenigen, die ÖPNV nutzen, bei gerade einmal 2,5 Prozent - trotz existierender Schienenwege und sogenannter "Fahrtziel Natur"-Offerten. Es ist eine traurige Geschiche." - Soweit dieser Experte für Geographie und Regionalforschung.

Es ist unstrittig, dass das sonst idyllische Tourismus-Highlight Königssee ein massives, sich eskalierendes Verkehrsproblem hat. Dafür gibt es bedingt durch die Täler, deren Straßenverläufe natürlich vorgegeben sind, eigentlich vor allem eine Lösung: den Wiederaufbau der Königsseebahn.

aus Wikipedia: Als „Königsseebahn“ wurde die ursprüngliche Steilstrecken-Bahn über 4,313 Kilometer von Berchtesgaden bis Königssee bezeichnet. Der Bau der Königsseebahn wurde am 16. August 1908 von der Bayerischen Staatsregierung beschlossen und genehmigt. Der Betrieb wurde den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen übertragen. Ende Oktober 1908 begannen diese mit dem Bau, die Eröffnung fand am 29. Mai 1909 statt.
(Man beachte den Planungs- und Ausführungszeitraum!)

Zum Ende der Bahn folgende Dokumentation aus dem BR: 

 

Unser Projekt „Neue Königsseebahn“

Bereits 1866 wurde der Bahnabschnitt Freilassing–Bad Reichenhall eröffnet. Am 25. Oktober 1888 befuhr ein festlich geschmückter Zug von Reichenhall nach Berchtesgaden als Erster die Strecke. Als weitere Anschlussstrecke existierte von 1908 bis 1938 die Bahnstrecke Berchtesgaden–Hangender Stein, auch Grüne Elektrische genannt. Diese wiederum hatte Anschluss an die Bahnstrecke Salzburg–Hangender Stein, die sogenannte Rote Elektrische. Im Dritten Reich wurde diese Bahnverbindung im Rahmen des geplanten Ausbaus zur zweigleisigen Hauptbahn und des Straßenausbaues eingestellt. Von 1909 bis 1965 bestand am Endpunkt Berchtesgaden ein Anschluss an die Königsseebahn zum Königssee.1965 fuhr letztmals ein Zug zwischen Berchtesgaden und Königssee, 1971 wurde die Strecke abgebaut.

Der Straßenverkehr, dem die Bahnverbindung geopfert wurde, hat mittlerweile Ausmaße angenommen, die sowohl dem Charakter der Gegend als Tourismusregion als auch der Umwelt und dem Klima schaden. Zur Lösung der Verkehrsprobleme im Großraum Salzburg und im Berchtesgadener Talkessel haben namhafte Verkehrswissenschaftler (1993: Naumann Studie, 2015: ERB - Machbarkeitsstudie) u. a. die Wiedererrichtung dieser Bahnverbindung als moderne Regionalstadtbahn vorgeschlagen. Diese Empfehlung fand auch Eingang in das Mobilitätskonzept des Landkreises Berchtesgadener Land von 2018.

Nunmehr wären die Voraussetzungen für eine Realisierung so günstig wie noch nie: Zum einen wurde in Salzburg der Bau der Regionalstadtbahn in Form der Verlängerung der Lokalbahn unter der Innenstadt hindurch nach Anif und Hallein auf den Weg gebracht (Baubeginn ist für 2023 vorgesehen, vollständige Fertigstellung für 2027/2028) und  nach unseren Vorstellungen wird in Anif eine Abzweigestation Richtung Grödig und die Landesgrenze vorgesehen. Da die Planungen dafür in die Legislaturperiode der aktuellen Bürgermeister und Gemeinderäte fällt, haben wir bereits frühzeitig in Kandidatenrunden im Wahlkampf im Frühjahr 2020 (Bericht Kandidatentreffen Süd) diesen Sachverhalt thematisiert und auch die allgemeine Zustimmung der heutigen Mandatsträger dokumentiert. 

Als „Neue Königsseebahn“, die Teil eines Park&Ride-Konzeptes zur Verkehrsentlastung in Berchtesgaden werden soll, ist also die Abzweigstrecke der Regionalstadtbahn Salzburg – Hallein von Anif über Grödig - Marktschellenberg – Berchtesgaden – Schönau zum Königssee gemeint. Diese wird jeweils in einen Salzburger Teil Anif – Grödig – Hangendenstein und einen bayerischen Hangendenstein – Marktschellenberg – Berchtesgaden – Königssee aufgeteilt, was organisatorisch beim Bau immens wichtig ist, da jeweils österreichische und deutsche gesetzliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen. Fast alle Parteien haben ja gegenwärtig im Zuge der Klimaschutzanstrengungen auch in Deutschland den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und hierbei unter anderem die Reaktivierung stillgelegter Bahnlinien auf der Agenda.

Die Realisierung dieser „Neuen Königsseebahn“ verlangt eine intensive Zusammenarbeit zwischen den zuständigen österreichischen und deutschen Behörden. Unser Verein sieht in diesem Projekt einen Mosaikstein in einem viel größeren bis nach Braunau grenzüberschreitend vernetzten Mobilitätsprojekt und arbeitet seit Jahren mit anderen lokalen Verkehrs- und Bürgerinitiativen zusammen (in-motion.me). Leider haben die pandemischen Maßnahmen unsere Arbeit und  vor allem die Zusammenarbeit mit den politischen und zahlreichen Bahn-Institutionen erheblich blockiert. Trotzdem haben wir intern engagiert an vielen Detaillösungen weiter gearbeitet. Wie das Konzept einer neuen Königsseebahn aussieht und umgesetzt werden kann, berichteten Dr. Karl Bösenecker und Richard Fuchs vom Verkehrsforum Berchtesgadener Land in einer Online-Veranstaltung am Donnerstag, den 22. Juli 2021 um 14 Uhr. Eine Aufzeichnung ist uns noch nicht verfügbar. Unsere Homepage dazu ist im Aufbau.

Wir haben zum aktuellen Sachstand eine Broschüre erarbeitet und stellten beim diesbezüglichen Anzeigenverkauf leider nur ein vergleichsweises sehr reserviertes Interesse auf der bayerischen Seite fest. Entsprechend werden weitere Aktivitäten zur Förderung einer entsprechenden Politik aktuell koordiniert. Wir freuen uns über jegliche Mitarbeit von Bürgern, die nicht nur herumreden und an konkreten Lösungen mitarbeiten wollen. 

Animation zur Lokalbahnverlängerung

 

alte Bilder zur ehemaligen Rundstrecke S-Berchtesgaden-Feilassing-S: 

 

Bf Schellenberg

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Termine des Vereins

Treffen

Die nächste Monatsversammlung findet als Jahresmitgliederversammlung am Mi 6.10.2021 - 18:30 Uhr aus Gründen virtuell statt. Sie erreichen die Videokonferenz über den Link https://meet.ffmuc.net/vfvf (hier nach Aufruf statt test Ihren Namen eintragen)

Das Protokoll, TO und weitere Unterlagen sowie die Möglichkeit zu Ihren Kommentaren finden Sie auf diesem Arbeitsblatt/Pad:  https://bimsev.com/pad/p/vfvf

 

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