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18-05-02 Das Verkehrsforum Berchtesgadener Land hat wieder einen Vorsitzenden

Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen und Ausblick auf die Zukunft des Schienennahverkehrs Bad Reichenhall. „
Es gibt viel zu tun, und wer soll es tun, wenn nicht wir?“, stellte Richard Fuchs, bisheriger kommissarischer Vorsitzender des Verkehrsforums BGL, fest und dankte Johann Wick, dem Verkehrsmanager am Landratsamt BGL für seine moralische Unterstützung, besonders seit dem Tod von Michael Behringer, für dessen Nachfolge es galt, einen Kandidaten zu finden. Mit Dr. Karl Bösenecker stellte sich nun eine bekannte Persönlichkeit zur Wahl. Vor seiner Pensionierung war er stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Laufen. Sein Engagement für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zeigte Dr. Karl Bösenecker, der auch schon ein Buch zum Thema veröffentlicht hat, durch zwei Briefe an den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, sowie an die bayerische Verkehrsministerin Ilse Aigner. Er bekundete auch seine Absicht, sich mit der Bitte um Unterstützung an die regionalen Politiker zu richten. Dabei geht es ihm um die Verdichtung des Zugtaktes und die Errichtung weiterer Zugangsstellen auf der Bahnstrecke Freilassing-Mühldorf. Die Höhe der Fahrgastzahlen könne nicht Ursache für den unattraktiven Zweistundentakt sein, so Bösenecker. Dies sei vielmehr die Folge davon. Bösenecker schlägt in seinem Schreiben konkrete Verbesserungen vor, nämlich Haltestellen unmittelbar am Freilassinger Industriegebiet („Freilassing Nord“) sowie beim Gewerbegebiet in Surheim. Eine vom Landratsamt BGL in Auftrag gegebene Untersuchung habe dafür ein lohnendes Fahrgastpotential ermittelt. Doch könne dieses Vorhaben nur mit beschleunigungsstarken Elektrotriebwagen verwirklicht werden. Diese Strecke als Teil der Ausbaustrecke ABS 38 von München über Mühldorf nach Freilassing sei sogar für eine Elektrifizierung vorgesehen, die jedoch leider nicht vor 2030 zu erwarten sei, obwohl sie schon lange im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen ist. Außerdem müsse die Streckenkapazität durchgehend auf zwei Gleise erhöht werden, um einen attraktiven SPNV mit dichtem Takt und kurzen Fahrzeiten zu ermöglichen. Bösenecker erwarte von den Verantwortlichen in der Politik, deren Realisierung endlich „mit dem größten Nachdruck“ voranzubringen.

Nach dem Rechenschaftsbericht des bisherigen kommissarischen Vorsitzenden Richard Fuchs und der Entlastung des Vorstands nach dem Bericht des Kassenprüfers fanden die Wahlen für den neuen Vorstand statt, der einstimmig durch Handzeichen - mit jeweils einer Enthaltung des Vorgeschlagenen - gewählt wurde. Den Vorsitz übernimmt demnach Dr. Karl Bösenecker. Zweites Vorstandsmitglied wurde Richard Fuchs, der zugleich Obmann des Salzburger Vereins „Rote Elektrische“ ist. Damit ist er das Bindeglied und für die notwendige, grenzüberschreitende Zusammenarbeit verantwortlich. Er freute sich über die Zusammenarbeit des Verkehrsforums BGL mit den Verkehrsinitiativen in Salzburg. Schatzmeister wurde Christian Bründl, Kassenprüfer Ludwig Heigermoser, und zum Schriftführer wurde Martin Schön gewählt.

von l.n.r. Martin Schön, Dr. Karl Bösenecker, Richard Fuchs, Ludwig Heigermoser - Nicht auf dem Bild: Christian Bründl.

 

Der Gastreferent zum Thema „Die Zukunft des Schienenverkehrs im Berchtesgadener Land“, Verkehrsexperte und früherer Direktor der Salzburger Lokalbahnen und der Berchtesgadener Land Bahn, Gunter Mackinger, gratulierte dem neuen Vorstand und wünschte allen Mitgliedern Optimismus und Durchhaltevermögen. In seinem Referat verglich er die historische Situation zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Staatsvertrag von 1905 und der dadurch möglichen grenzüberschreitenden und elektromobilen Verbindung in Marktschellenberg mit der unbefriedigenden Situation heute. Nachts seien sogar die Schiffe des Königssees mit dem Gleichstrom der elektrischen Eisenbahn aufgeladen worden - ein ökologisches Frühprojekt.

Gunter Mackinger


1914 wurde die Strecke Salzburg-Freilassing-Bad Reichenhall-Berchtesgaden mit Wechselstrom versorgt und war damit richtungsweisend für alle anderen mittel- und nordeuropäischen Eisenbahnen. Inzwischen sind jedoch viele Entscheidungen getroffen worden, die sich nachteilig auf den Schienenverkehr auswirkten, so dass Mackinger befürchtete, dass der Betrieb der BLB durch die Salzburger Lokalbahnen ab 2021 nicht mehr gesichert sein dürfte. Mackinger betonte auch die Notwendigkeit für eine Weiterführung der S-Bahn bis Garching und Mühldorf, sowie über Traunstein hinaus nach Traunreut und Ruhpolding, wie es bei den Befürwortern des öffentlichen Personennahverkehrs im Verkehrsforum schon lange gefordert wird. Dem Unternehmen, das den Zuschlag für die Ausschreibung der Strecke Freilassing-Reichenhall-Berchtesgaden erhalten wird, wünschte er eine gute Verhandlungsbasis mit der ÖBB, um ein erfolgreiches Konzept zu erarbeiten. Notwendig sei eine grenzüberschreitende Tarifabstimmung und die Ausweitung des Salzburger Verkehrsverbundes nach Bayern.

In Mackingers Vortrag ging es die Ausbaustrecke MÜ-FRL - ABS 38. Im Nachlass von Michael Behringer fand Richard Fuchs diese Schrift. Rechts Dr. Karl Bösenecker. -

Bericht und Fotos von Brigitte Janoschka

 

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